Schöpfung contra Evolution       Evolution         Schöpfung und Evolution

Schöpfung

Gott der Schöpfer

Obwohl das Universum in seinen räumlichen und zeitlichen Ausmaßen so gewaltig erscheint, existiert dieses Universum nicht ewig. Es hat einen Anfang. Geht man davon aus, dass die Welt vernünftig strukturiert ist, so muss diese Struktur selbst das Ergebnis überlegener Vernunft sein.  Diese überlegene Vernunft, die uns auch als Person ganz nah sein kann - das ist Gott.

Jene mit tiefem Gefühl verbundene Überzeugung von einer überlegenen Vernunft, die sich in der erfahrbaren  Welt offenbart, bildet meinen Gottesbegriff.

     Albert Einstein

Gott ist Urgrund und Ursache allen Seins. Gott erschafft die Welt aus der Fülle seiner Göttlichkeit. Er ist der Schöpfer und die Welt seine Schöpfung.

Die Schöpfungsberichte

In der Bibel gibt es zwei Schöpfungsberichte. Sie sind beide anscheinend beziehungslos aneinandergereiht. Und doch zeigen sie die Schöpfung aus verschiedenen Perspektiven. Der am Anfang der Bibel stehende Schöpfungsbericht – der sogenannte priesterschriftliche Schöpfungsbericht  –  ist kosmologisch orientiert. Gott ist der machtvolle Schöpfer des gesamten Universums. Er schafft die Erde, alles Leben auf der Erde und schließlich den Menschen. Im zweiten Schöpfungsbericht – dem wesentlich älteren jahwistischen Schöpfungsbericht – steht der Mensch und seine anthropologische Charakteristik im Mittelpunkt. Beide Berichte haben eine gemeinsame Funktion: Sie verweisen Welt und Mensch auf Gott.

Schöpfungsberichte und Mythen

Die Schöpfungsberichte wurden als Mythen formuliert. Sie brachten so den Menschen schon in archaischen Vorzeiten in bildhafter und anschaulicher Erzählerweise die Schöpfung nachvollziehbar nahe. Die beiden Schöpfungsberichte beantworten damit grundlegende existentiellen Fragen: Wer bin ich? Woher komme ich? Welchen Sinn hat mein Dasein? Heute dürfen die mythischen Schöpfungsberichte natürlich nicht wörtlich genommen werden. Sie sind eben keine naturwissenschaftlichen Forschungsberichte. Um jedoch den Reichtum der in ihnen enthaltenen Aussagen zu erschließen, müssen sie in plausibler Weise als Metaphern mit vielfältigem Symbolgehalt gedeutet werden. Die damit gewonnenen Erkenntnisse vermitteln den Menschen auch heute noch grundlegende Orientierungen.

Creatio ex nihilo

Die Welt existiert nicht zufällig, aus sich selbst heraus. Sie wurde durch den Schöpfungsakt gesetzt. Gott schuf das Universum absolut voraussetzungslos durch die Kraft seines Willens, aus dem Nichts heraus. Schon im frühen Christentum gab es dafür den Begriff creatio ex nihilo - die Schöpfung aus nichts.  Das christliche Glaubensbekenntnis ist auch ein Bekenntnis zu Gott, dem Schöpfer. 

Die Urexplosion als Schöpfung

Eigentlich war aber alles noch viel gewaltiger als es sich die Priester das damals vorstellen konnten. Am Anfang konzentrierte sich das ganze Universum in einer Singularität,  in einem einzigen Punkt. Es explodierte förmlich und wurde mit gigantischer Wucht auseinander gesprengt. Es herrscht das Chaos, das „Tohuwabohu“. Doch Gott bringt Ordnung in dieses Chaos. Aus dem Chaos wird ein geordneter Kosmos. Im Chaos ist kein Leben möglich, im Kosmos schon. Es entstehen Materie, Raum und Zeit. Das Universum dehnte sich mit atemberaubender Geschwindigkeit aus.

In den ersten Sekundenbruchteilen waren schon alle Naturkonstanten, Parameter und Naturgesetze vorhanden und aufeinander abgestimmt. Sie bestimmten das weitere Geschehen. Ohne eine solche Konstellation wären keine Erde, kein Leben auf dieser Erde und auch keine Menschen entstanden.  So aber wird die Erde für Gottes Geschöpfe bewohnbar. Schöpfung ist auf das Leben ausgerichtet. Sie geschieht in einem folgerichtigen Ablauf. Nach einer Vorlesung über die Urexplosion in Pasadena erklärt Einstein:

Das ist die schönste und befriedigendste Erklärung der Schöpfung, die ich je gehört habe.

Schöpfung als evolutionärer Prozess

Schöpfung entstand nicht auf einem Schlag und alles war fertig da. Schöpfung vollzieht sich in einem evolutionären Prozess: der Evolution des Universums und in sie eingebettet, folgen die chemische Evolution, die biologische Evolution und schließlich die kulturell - soziale Evolution und dies in gewaltigen Zeitabschnitten. Sie geschah im Verlaufe der Zeit, in einem Prozess der in dem priesterschriftlichen Schöpfungsbericht (Gen 1,31) mit der Metapher des Sechs-Tage-Schöpfungswerkes umschrieben wird.

Epochen der Schöpfung

Das hebräische Wort „iom“, welches traditionell mit „Tag“ übersetzt wurde, steht für „Zeitabschnitt“.  Es kann also auch mit „Epoche“ übersetzt werden. Welche Zeitabschnitte konkret mit einer Epoche gemeint sind, lässt die Bibel offen. Es können ohne weiteres Tausende, Millionen, aber auch Milliarden von Jahre sein, ohne dass ein Widerspruch zur Heiligen Schrift entsteht. Denn noch so große Zeitabschnitte sind angesichts der Ewigkeit des Schöpfers wie ein flüchtiger Moment. Gott ist nicht in die Zeit eingebunden. Er steht über der Zeit. Das Zeitintervall „Tag“ hat deshalb selbst im Schöpfungsmythos nur symbolische Bedeutung, es sind die Tage Gottes.

Denn tausend Jahre sind für dich wie der Tag, der gestern vergangen ist. (Ps 90, 4). 

Creatio continua

Die Bibel hat eine ausgefeilte Zahlensymbolik. Die Zahl "Tausend" steht dabei für unvorstellbar große Zeitabläufe. Doch für die Menschen in archaischen Vorzeiten wären Millionen und Milliarden von Jahren kaum vorstellbar gewesen. Dagegen war die Zeiteinheit "Tag" erlebte Wirklichkeit und vermittelte die stattgefundene Schöpfung als zeitlichen Ablauf auch diesen Menschen. Der Kirchenlehrer Augustinus bringt es auf den Punkt, wenn er zur Bezeichnung des Schöpfungsablaufes den Begriff creatio continua (fortgesetzte Schöpfung) prägt.

Kompatibilität von Schöpfung und Entwicklungstheorie

Die Schöpfung ist nicht abgeschlossen. Sie dient der Erhaltung und Bewahrung des Geschaffenen durch ständige Weiterentwicklung. Und diese Weiterentwicklung befindet sich in Übereinstimmung mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen der biologischen Entwicklungstheorie:

Ich glaube, dass die Entwicklungstheorie absolut versöhnlich ist mit dem Glauben an Gott.[1]

Charles Darwin

Die neuen Atheisten Dawkins & Co dagegen leugnen die Kompatibilität von Schöpfung und Entwicklungstheorie, verfälschen den Darwinismus zu einer atheistischen Ideologie und behaupten, dass  diese mit einer an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit die Existenz eines Gottes widerlegt hat. Dementsprechend lehnen sie jede Religion, insbesondere die des Christentums, des Judentums oder des Islams als schädlich ab und gehen daran, ihre eigene Ideologie als Religion zu etablieren. Da sie diese  als gültiges Paradigma moderner Biologie postulieren, hält der weltanschauliche Atheismus über den Biologieunterricht als atheistische Propaganda Einzug in unsere Schulen und entfremdet die heranwachsende Jugend immer stärker von den traditionellen Werten abendländischer Kultur.

Aber gerade viele große Forscher, die tief in die Strukturen der Materie eindringen, sind überwältigt von der Genialität der logischen Lösungen, von der Erhabenheit  der in der Materie implementierten Vernunft. Hierzu gehört auch der Leiter des wohl größten biologischen Forschungsprojektes aller Zeiten – des „Human Genom Projektes“ - Francis Collins. Im Verlaufe seiner Forschungen entwickelte er sich vom überzeugten Atheisten zum bekennenden Christen und bezeichnet den mit dem Projekt entschlüsselten genetischen Code als die Sprache Gottes.

 

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[1] E. Frankenberger: Gottesbekenntnisse großer Naturforscher, Leutendorf 1994, Seite 13